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Nachruf auf Peter Steiger: ein warmherziger Mensch und überzeugender Kämpfer

Mit unermüdlichem Einsatz und seiner gewinnenden Art trug Peter Steiger, langjähriger Vizepräsident und Mitglied der Geschäftsleitung beim VSAO Zürich, wesentlich zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Assistenzärztinnen und ‑ärzte sowohl im Kanton als auch schweizweit bei. Ende Januar ist er im Alter von 58 Jahren verstorben. Rudolf Reck, ehemaliger Präsident und Geschäftsführer des VSAO Zürich und langjähriger Weggefährte von Peter Steiger, erinnert sich.

Peter Steiger hat den VSAO Zürich geprägt und war ein mutiger und empathischer Weggefährte. Bild: zvg
Peter Steiger hat den VSAO Zürich geprägt und war ein mutiger und empathischer Weggefährte. Bild: zvg

Ein junger Assistenzarzt betrat Anfang 1998 «mein» VSAO-Sekretariat. Er war sympathisch und enthusiastisch. Das war meine erste Begegnung mit Peter Steiger. Gleich schlug er eine Petition vor. Sie sollte eine Reduktion der Arbeitszeit von Assistenzärztinnen und ‑ärzten erreichen, die damals bis zu 100 Wochenstunden betrug. Beim VSAO Zürich waren wir zunächst skeptisch. Vieles hatten wir schon versucht, um die Arbeitsbedingungen unserer Mitglieder zu verbessern. Doch Peter überzeugte die Geschäftsleitung – und nach ein paar Wochen folgte die Übergabe der Petition mit vielen Unterschriften an die Gesundheitsdirektorin. Ungeschickte Kommunikation und leere Versprechen seitens der Politik führten zum Zürcher Bleistiftstreik und zu einem riesigen Medienrummel. Peter war mittendrin, unermüdlich, klug, überzeugend, authentisch. Er betreute einen grossen Teil der mehr als 350 Medienkontakte dieser Zeit. Wir wurden Freunde.

Er spielte auch bei den nachfolgenden Verhandlungen zum Zürcher Gesamtarbeitsvertrag eine Schlüsselrolle. Dass das beeindruckte Parlament in Bern bald darauf das Arbeitsgesetz zugunsten der Assistenzärztinnen und ‑ärzte änderte, war mit sein Verdienst.

Peter blieb lange Jahre Vizepräsident und Mitglied der Geschäftsleitung beim VSAO Zürich. In gewissen Zeiten hatten wir fast täglich telefonischen Kontakt. Stets war er engagiert und zugewandt. Seine Wahl zum Ehrenmitglied am Ende seiner VSAO-Karriere war eine Selbstverständlichkeit.

Tiefgründig und nachsichtig

Mit Peter konnte man einfach alles besprechen. Oberflächliches war nicht seine Sache, das Tiefgründige schon. Was für ein Glück, in schwierigen Zeiten einen solchen Gesprächspartner zu haben, der selbst so viel von sich verlangte und sein Gegenüber gleichzeitig so nachsichtig und milde beurteilte!

In der Intensivmedizin hat Peter seine Berufung gefunden. Er liebte seinen Beruf, weil er die Menschen liebte und die fachlichen und menschlichen Herausforderungen suchte, die zur Intensivmedizin gehören. Im Verlauf seiner Karriere wurde Peter Steiger stellvertretender Direktor des Instituts für Intensivmedizin am Universitätsspital Zürich.

Peter stellte sich mutig den schwierigsten Fragen. In vielen Radio- und Fernsehinterviews zeigte er sein Wissen und gleichzeitig seine Empathie für Menschen in verzweifelter Lage.

Es ist bittere Ironie des Schicksals, dass Peter vor etwas mehr als einem Jahr selbst mit einer niederschmetternden Diagnose konfrontiert wurde. Er hat seine letzten Monate mit bewundernswerter Haltung gelebt. Ende Oktober 2025 habe ich ihn ein letztes Mal getroffen. Seine Sorge galt seinen beiden Töchtern und seiner Frau. Peter Steiger ist am 26. Januar 2026 im 59. Altersjahr verstorben.