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Zentralvorstand vergibt Spitalrose und diskutiert Weiterbildungssteuerung
Das Universitätsspital Genf reagierte proaktiv auf die langen Wartefristen bei der Facharzttitelerteilung – und verdient dafür die Spitalrose. Dies hat der vsao-Zentralvorstand an seiner Frühjahrssitzung entschieden. Wie er selbst hingegen auf politische Vorstösse zur Steuerung der Weiterbildung reagieren will, ist noch nicht klar.
07.05.2026
Der vsao beschäftigt sich naturgemäss oft mit Dingen, die nicht ganz so funktionieren, wie sie sollten. Umso schöner ist es, wenn er sich auch einmal mit vorbildlichen Kliniken und Spitälern befassen darf. So geschehen an der Sitzung des Zentralvorstands (ZV) vom 25. April 2026. Da durften die Delegierten nämlich über die Vergabe der Spitalrose 2025 entscheiden, und sie hatten die Auswahl zwischen drei ganz verschiedenen, aber allesamt mustergültigen Kandidaturen:
- Die Sektion Basel hatte die Klinik Arlesheim nominiert, weil sie nicht nur ausserordentlich gute Arbeitsbedingungen bietet – etwa punkto Teilzeitmodellen, Arbeitszeiten und Weiterbildung –, sondern strukturell und kulturell gezielt die ärztliche Entwicklung fördert. Dies unter anderem mit einer wertschätzenden und motivierenden (Führungs-)Kultur und der Förderung von Eigeninitiative.
- Die Sektion Genf warb für die Generaldirektion und HR-Leitung des Universitätsspitals Genf (HUG). Diese hatte 2025 infolge der grossen Verzögerungen bei der Facharzttitelerteilung proaktiv Verhandlungen vorgeschlagen, die eine spitalinterne Weisung zur Folge hatten: Seit dem 1. Januar 2026 haben Mitarbeitende ab dem Tag der Einreichung des Titelgesuchs Anrecht auf die Vorteile einer Oberarztstelle, unter anderem mit einer signifikanten Lohnerhöhung und einer zusätzlichen Ferienwoche.
- Noch vor einigen Jahren hätte die Pädiatrie im Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV) keine Chance auf eine Nominierung gehabt: Ungenügende Arbeitsbedingungen, eine mangelhafte Weiterbildung und ein ungünstiges Arbeitsklima waren dort Alltag. Die Neubesetzung von zahlreichen Managementstellen sowie verschiedene konkrete Massnahmen hätten jedoch zu einer grundlegenden Umgestaltung der Klinik mit nachhaltigen Verbesserungen auf verschiedenen Ebenen geführt, und die erzielten Ergebnisse seien sehr ermutigend, begründete die Sektion Waadt ihre Nomination.
Nach kurzer Diskussion entschieden die Delegierten, die Spitalrose 2026 ans HUG zu vergeben. Das Engagement aller Nominierten sei lobenswert – doch ein Spital, das proaktiv eine Problematik angehe, die es nicht angehen müsste, sei besonders hervorzuheben, so der Tenor.
Wer soll die ärztliche Weiterbildung steuern?
Auch die schwierigeren Themen kamen nicht zu kurz: Der Fachkräftemangel, insbesondere in der Grundversorgung, habe für diverse politische Vorstösse und Projekte gesorgt, führte vsao-Präsident Severin Baerlocher in die Diskussion zur Weiterbildungssteuerung ein. Unter anderem nehme das Projet Réformer, das lange in einem Dornröschenschlaf gewesen sei, nun zunehmend an Fahrt auf. Dieses Projekt der sechs Westschweizer Kantone Genf, Waadt, Wallis, Neuenburg, Freiburg und Jura hat zum Ziel, die Deckung der medizinischen Bedürfnisse sicherzustellen. Dazu soll die ärztliche Weiterbildung von den am Projet Réformer beteiligten Kantonen stärker koordiniert werden. Konkret bedeutet dies: Ärztinnen und Ärzte entscheiden sich nach dem Staatsexamen für ein festgelegtes Curriculum, bei dem sie ihre Weiterbildungselemente nicht mehr selbst organisieren müssen, dafür aber weniger Freiheiten haben.
Die FMH stehe diesem Projekt sehr kritisch gegenüber und lehne eine staatliche Einmischung in jedem Fall ab, sagte Severin Baerlocher. Im vsao sei das Thema hingegen kontrovers diskutiert worden. Ziel sei nun, eine konsolidierte Meinung zu finden, zum Projet Réformer im Speziellen sowie zur allgemeinen Frage, ob die staatliche Steuerung der Weiterbildungsstellen in jedem Fall abzulehnen sei oder es auch sinnvolle, nützliche Mittelwege gebe.
Dass dies schwierig werden könnte, zeigte sich nach wenigen Minuten: Während insbesondere die Sektion Waadt dafür plädierte, beim Projet Réformer mitzumachen, um dieses auch mitsteuern zu können, gaben sich andere Sektionen kritischer. Es sei kaum möglich, sich schon nach dem Staatsexamen auf eine Fachrichtung festzulegen, die ärztlichen Freiheiten seien unbedingt zu wahren, und um dem Fachkräftemangel in der Grundversorgung zu begegnen, brauche es keine – ohnehin kaum realisierbare – planwirtschaftliche Steuerung durch den Staat, sondern gezielte Massnahmen für attraktivere Arbeitsbedingungen und/oder alternative Curricula in Zusammenarbeit mit den Fachgesellschaften, so einige Voten.
Schliesslich entschied der ZV, die Vertretung des Dachverbandes aus dem Projet Réformer zurückzuziehen, jedoch eine koordinierte Vertretung der Westschweizer Sektionen zuzulassen. Gleichzeitig stimmte er der Bildung einer Arbeitsgruppe zu, die bis zur nächsten Sitzung im November einen Vorschlag für die Position des vsao ausarbeiten soll.
Ein Minus und das Go für den Strategieprozess
Für kaum nennenswerte Diskussionen sorgte hingegen die Rechnung 2025, die statt des budgetierten Verlusts von 323 900 Franken «nur» ein Minus von rund 177 500 Franken aufwies und einstimmig genehmigt wurde. Ebenfalls stimmte der ZV dem von der Kerngruppe vorgeschlagenen Strategieprozess zu: Im Juni sollen die Bedürfnisse der Sektionen sowie der wichtigsten Stakeholder erfragt werden, sodass an der Herbstsitzung die neue, auf die Haupthandlungsfelder des vsao fokussierte Strategie vor den ZV gebracht werden kann.
Neben den Abstimmungen hatten die ZV-Mitglieder auch einiges zu wählen: Nachdem Severin Baerlocher die Rücktritte von Jana Siroka (bereits im Dezember 2025) sowie Vera Dino, Marius Grädel-Suter und Gert Printzen aus dem Geschäftsausschuss (GA) bekannt gegeben hatte, wählte der ZV mit Noël Fiechter (swimsa-Vertreter), Federico Mazzola und Valeria Scheiwiller drei neue GA-Mitglieder (siehe unten). Ebenfalls bestätigte er die bisherigen GA-Mitglieder in ihrem Amt und nahm erfreut zur Kenntnis, dass Svenja Ravioli ab dem 1. Mai das Amt der Vizepräsidentin übernehmen und gemeinsam mit dem bisherigen Präsidenten Severin Baerlocher und dem Vizepräsidenten Richard Mansky das Präsidium komplettieren wird.
Ein neues Co-Präsidium für mediservice
Mit Wahlen ging es auch an der Delegiertenversammlung von mediservice vsao-asmac weiter. Als Nachfolger für den bisherigen Präsidenten Daniel Schröpfer wählten die Delegierten Christoph Rytz, Geschäftsführer der Vorsorgestiftung vsao, und Nina Viktorin, selbstständige Gynäkologin, ins Co-Präsidium und bestätigten die restlichen Vorstandsmitglieder. Daniel Schröpfer tritt zwar als Präsident zurück, bleibt jedoch weiterhin im Vorstand.
Mit einem Gewinn von 22 500 Franken konnte mediservice einen erfolgreichen Jahresabschluss präsentieren. Ebenfalls gab Daniel Schröpfer einen Einblick in die Tätigkeiten des vergangenen Jahres: Neben der Organisation verschiedener Onlineseminare habe mediservice auch das Praxis-Paket überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht. Und schliesslich wies Regula Grünwald, Chefredaktorin des vsao Journals, darauf hin, dass die Sektionen neu per RSS-Widget automatisch die aktuellen Artikel aus dem vsao Journal auf ihrer Sektionsseite anzeigen lassen können.
Neu im vsao-Geschäftsausschuss
Noël Fiechter ist der Vertreter der swimsa im GA. Er studiert Medizin im fünften Semester an der Universität Basel. Noël engagiert sich unter anderem in der Fachschaft Medizin sowie im Studierendenrat der Universität Basel. Fachlich hat er ein besonderes Interesse an Neurochirurgie, medizinischer Bildgebung und technischen Innovationen.
Federico Mazzola ist am Spital Uster als Oberarzt Chirurgie tätig. Seit 2024 ist er Präsident des VSAO Zürich, in dessen Vorstand er bereits seit 2019 ist. Zuvor war er im Vorstand der Sektion Solothurn aktiv sowie zu Studienzeiten bei der swimsa, die er während zweier Jahre präsidierte.
Valeria Scheiwiller arbeitet als Assistenzärztin Psychiatrie bei der Clienia Schlössli Klinik in Oetwil am See. 2023/2024 war sie Präsidentin der swimsa. Beim vsao ist sie als Visitatorin sowie als Mitglied des Ressorts Verbandsentwicklung aktiv. Zudem ist Valeria Vorstandsmitglied vom VAPZ, der Vereinigung der Assistenzärztinnen und Assistenzärzte für Psychiatrie und Psychotherapie von Zürich, Zentral-, Nordostschweiz und Aargau.