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ReMed hilft Ärztinnen und Ärzten in der Krise
In schwierigen Momenten bietet das Unterstützungsnetzwerk ReMed Ärztinnen und Ärzten unkompliziert professionelle Hilfe. Wie wertvoll dieses Angebot ist und warum der Griff zum Telefon dennoch Überwindung kosten kann, zeigt das Beispiel eines Arztes.
11.08.2026
«Hätte ich keine Hilfe geholt, wäre ich in ein Burn-out und eine schwere Depression gefallen», ist Christian* überzeugt. Vor etwa zwei Jahren stand er an einem Punkt, an dem er selbst nicht mehr weiterwusste. Am Arbeitsplatz litt er als junger Oberarzt am hohen Arbeits- und Kostendruck, der das Einhalten seiner eigenen ethischen Ansprüche und der arbeitsgesetzlichen Vorgaben praktisch verunmöglichte. Gleichzeitig belastete der berufliche Konflikt sein Privatleben: Soziale Kontakte und insbesondere seine Partnerin kamen zu kurz, die Streitigkeiten deswegen häuften sich, die langjährige Partnerschaft stand auf der Kippe. Schliesslich wurde der Leidensdruck so gross, dass er handelte – und bei ReMed anrief.
«Wir helfen, wo wir können»
ReMed ist ein Unterstützungsnetzwerk von und für Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz. Wer sich über das Formular auf der Website oder über die Hotline meldet, erhält innert 72 Stunden – meist früher – ein Gespräch mit einer Erstberaterin oder einem Erstberater. Diese Person hört sich das Problem in Ruhe an und gibt erste Ratschläge. Lässt sich die Situation damit nicht nachhaltig verbessern, vermittelt sie zudem weiterführende Angebote. Der Fall von Christian sei kein Einzelfall, sagt Tiziano Del Ponte, der die ärztliche Programmleitung von ReMed innehat. Die meisten der 260 Anfragen, die 2025 an ReMed gestellt wurden, erfolgten aufgrund von beruflichem Stress, Burn-out-Symptomen und Angstzuständen.
Unkomplizierte Hilfe für Ärztinnen und Ärzte
Benötigen Sie oder eine Ärztin, ein Arzt aus Ihrem Umfeld Unterstützung? Dann melden Sie sie oder ihn für eine Erstberatung an: https://remed.fmh.ch/kontakt.html
Bevorzugen Sie eine telefonische Anmeldung? Die Telefonzentrale bei MEDPHONE nimmt 24/7 Ihre Anmeldung unter 0800 0 73633 entgegen.
Ist es ein Notfall? Dann wenden Sie sich bitte an die Notrufnummer 144 oder an die Dargebotene Hand 143.
Am häufigsten meldeten sich Assistenzärztinnen und -ärzte in der Mitte ihrer Assistenzzeit, die von den (zu) harten Arbeitsbedingungen ausgelaugt und erschöpft seien, und an sich selbst und ihrer Berufswahl zweifelten, sagt Tiziano Del Ponte. Oft kämen die Meldungen auch von Oberärztinnen und -ärzten, die – ähnlich wie Christian – in einem Gewissenskonflikt steckten, sich mit der grossen Verantwortung alleingelassen fühlten und Arbeit und Privatleben kaum vereinbaren könnten. Einen kleinen Teil machten auch Leitende, Chef- oder selbstständige Ärztinnen und Ärzte aus, die zwischen Leistungs- und Kostendruck feststeckten oder mit dem Gefühl des Stillstands oder der Perspektivenlosigkeit zu kämpfen hätten.
Anders als diese Angaben vermuten lassen, unterstütze ReMed aber nicht nur bei psychischen Problemen, betont Tiziano Del Ponte, sondern bei Schwierigkeiten jeglicher Art – vom Rechtlichen übers Finanzielle bis hin zum Gesundheitlichen. «Wir helfen, wo wir können.»
Unkomplizierte und wertschätzende Hilfe
Dies kann Christian bestätigen. Er habe an einem Abend angerufen, und schon am nächsten Tag einen Rückruf erhalten, bei dem er seine Probleme ohne Zeitdruck habe schildern können. «Ich fühlte mich jederzeit ernst genommen und als Mensch gesehen», sagt Christian, und betont: «ReMed bietet niederschwellig, unkompliziert und wertschätzend kompetente Hilfe: Ich kann dieses Angebot vorbehaltlos weiterempfehlen.»
Ganz so einfach, wie das heute klingt, war es für Christian damals aber nicht, Hilfe zu holen. Die Angst, an jemanden zu geraten, den er kennt; die Ansicht, dass doch gerade er als Psychiater sich selbst aus dieser Sackgasse befreien können sollte; tief verankerte Glaubenssätze vom heroischen Arzt und starken Mann – all dies machte es ihm nicht einfach, sich zu öffnen und Hilfe zu holen.
Ein wirksames Angebot
Auch damit ist Christian nicht alleine. «Vor allem Personen, die schon etwas länger im Beruf sind, schämen sich oft, bei uns anzurufen», sagt Tiziano Del Ponte. «Aber wir wollen nicht urteilen, sondern unterstützen. Und selbstverständlich gilt die ärztliche Schweigepflicht.»
Auch stellt er einen Wandel fest: «Bei jüngeren Generationen scheint die Hemmschwelle weniger hoch zu sein.» Das sei gut so, findet Tiziano Del Ponte. «Wir sind froh, wenn sich jemand meldet, bevor es fünf vor zwölf ist und beispielsweise die Burn-out-Symptome weit fortgeschritten sind. Im Anfangsstadium lässt sich einfacher und schneller eine Lösung finden.»
Wie diese Lösung aussehen kann und wie sie zustande kommt, könne sehr unterschiedlich sein. Oft reiche schon die Erstberatung, um eine neue Perspektive zu vermitteln. Manchmal brauche es aber auch weiterführende Angebote, die ReMed vermittelt. So etwa bei Christian, der durch ReMed zu einer kompetenten und unvoreingenommenen Fachperson gelangte. In regelmässigen Sitzungen fand er zurück zu seiner Balance und seiner mentalen Stabilität. «Ich musste mein Leben neu ordnen und Priorisierungen vornehmen. Das war schwierig und schmerzhaft. Es hat mir aber auch erlaubt, mich zu entwickeln und zu erkennen, was meinem Leben Sinn verleiht.» Er begann, mehr Zeit in seine Beziehung zu stecken und am Arbeitsplatz für seine moralischen Überzeugungen einzustehen. Dort kam dies nicht nur gut an: Nach einem Eklat verliess er das Spital. Eine Entscheidung, die er nie bereut hat: «Heute bin ich glücklich.»
95 Prozent der beratenen Personen schätzen das Angebot von ReMed als wirksam ein. Diese Zahl und Geschichten wie diejenige von Christian freuen Tiziano Del Ponte. «Die jungen Ärztinnen und Ärzte sind unsere Zukunft. Und wenn wir einigen davon helfen können, ihre Situation zu verbessern und die Freude am Beruf wiederzufinden, machen wir eine wichtige Arbeit.»
ReMed sucht Verstärkung
Um Ärztinnen und Ärzten in schwierigen Momenten zu helfen, braucht es erfahrene Medizinerinnen und Mediziner. Voraussetzung für eine Mitarbeit bei ReMed sind:
- eine FMH-Mitgliedschaft
- einen Spezialarzttitel bzw. eine Praxisbewilligung
- gute Kenntnisse des Schweizer Gesundheitswesens
- gute Kenntnisse mindestens zweier Landessprachen
- zeitliche Verfügbarkeit
- Begeisterung für die Ärztegesundheit
Sind Sie interessiert? Dann melden Sie sich mit Motivationsschreiben, CV und zwei Referenzen von Kolleginnen oder Kollegen oder ReMed-Mitgliedern unter info@swiss-remed.ch.