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Nichtübertragbare Krankheiten: Mit Sicherheit gut begleiten

Menschen mit nichtübertragbaren Krankheiten benötigen meist eine langfristige Behandlung. Um sie sicher zu begleiten, sind neben der medizinischen Therapie auch Zeit, Kontinuität, eine gute Koordination und Kommunikation sowie eine individuelle Unterstützung entscheidend.

Gerade bei nichtübertragbaren Krankheiten ist eine offene und vertrauensvolle Kommunikation wichtig: Sie schafft Raum für Fragen und Unsicherheiten. Bild: Adobe Stock / Jacob Lund
Gerade bei nichtübertragbaren Krankheiten ist eine offene und vertrauensvolle Kommunikation wichtig: Sie schafft Raum für Fragen und Unsicherheiten. Bild: Adobe Stock / Jacob Lund

In der Schweiz war im Jahr 2022 mehr als ein Drittel der Bevölkerung ab 15 Jahren von mindestens einer der fünf häufigsten nichtübertragbaren Krankheiten (Non-communicable diseases, kurz NCDs) – Herz-Kreislauf-Erkrankungen, muskuloskelettale Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Krebs und Diabetes – betroffen. Sie sind ausserdem die häufigste Todesursache: Über 80 Prozent aller Todesfälle pro Jahr werden NCDs zugeschrieben [1].

Viele Patientinnen und Patienten mit NCDs benötigen langwierige, komplexe und wiederkehrende Behandlungen. Als Folge können sie stärker und häufiger von Sicherheitsrisiken im Behandlungsverlauf betroffen sein. Eine gute Begleitung, die sowohl aus fachlicher als auch aus menschlicher Perspektive sicher und ganzheitlich ist, ist für sie daher von besonderer Bedeutung. Ein sicheres Langzeitmanagement beinhaltet verschiedene Aspekte, u. a. Kommunikation zwischen Fachpersonen und Betroffenen, Medikationssicherheit, Unterstützung im Selbstmanagement sowie die aktive Einbindung von Betroffenen und Angehörigen.

Wie gelingt eine gute Versorgung?

Die Patient-Reported Indicator Surveys (PaRIS) sind eine internationale Befragungsstudie der OECD, an der auch die Schweiz teilgenommen hat. Diese untersuchte, wie Menschen ab 45 Jahren mit chronischen Erkrankungen, die Leistungen der Primärversorgung in Anspruch nahmen, ihre Gesundheit und ihre Erfahrungen in der Gesundheitsversorgung einschätzen. Die Ergebnisse zeigen, welche Faktoren aus Sicht der Betroffenen zu einer guten Versorgung beitragen.

  • Betroffene schätzen genügend Zeit mit Fachpersonen und eine kontinuierliche Begleitung, weil dies das Vertrauen und die Versorgungsqualität stärkt.
  • Sie benötigen eine sichere, verständliche und gut koordinierte Versorgung, denn Probleme wie schwierige Terminvereinbarung, Fehldiagnosen oder schlechte Kommunikation schwächen das Vertrauen in das Gesundheitssystem.
  • Ausserdem benötigen sie eine Versorgung, die ihre persönliche Situation berücksichtigt, Angehörige einbezieht und sie im Selbstmanagement im Alltag unterstützt [2].

Gute Kommunikation als Schlüssel

Für Betroffene von NCDs und ihre Angehörigen geht es nicht nur um medizinische Behandlungen, sondern auch um den Umgang mit Unsicherheit, Belastungen im Alltag, Selbstmanagement und Entscheidungen, die eng mit den Werten und Lebenszielen der Patientinnen und Patienten verbunden sind. Die Kommunikation im Gespräch zwischen Ärztin und Patient bildet das Fundament einer guten medizinischen Behandlung und gehört zu den Kernkompetenzen des ärztlichen Handelns. Zahlreiche Studien konnten belegen, dass eine gelungene Kommunikation die Zufriedenheit und das Wissen über den eigenen Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten verbessert [3].

Medizinische Informationen sind oft komplex, und Patientinnen und Patienten bringen unterschiedliche Gesundheitskompetenzen und Erfahrungen mit, um Informationen einzuordnen. Gleichzeitig können Zeitdruck, Fachsprache oder unterschiedliche Erwartungen dazu führen, dass wichtige Informationen verloren gehen oder Missverständnisse entstehen. Eine offene und vertrauensvolle Kommunikation schafft Raum für Fragen und Unsicherheiten. Sie hilft, Risiken verständlich einzuordnen, gemeinsame Entscheidungen zu treffen und auch schwierige Themen wie Therapieziele oder den Reanimationsstatus sorgfältig zu besprechen. 

Zu den wichtigsten Tipps für eine gute ärztliche Kommunikation gehören gemäss Sabina Hunziker, Ordinaria für Medizinische Kommunikation an der Universität Basel:

  • Aktiv zuhören: Offene Fragen helfen, die Erwartungen, Sorgen und Prioritäten der Patientinnen und Patienten besser zu verstehen.
  • Verständlich kommunizieren: Fachbegriffe vermeiden und Informationen in kleinen, gut verständlichen Schritten vermitteln.
  • Gemeinsam entscheiden: Medizinische Möglichkeiten sowie Vor- und Nachteile besprechen und mit den Werten und Zielen der Patientinnen und Patienten abstimmen.
  • Emotionen ansprechen: Unsicherheit, Ängste oder Belastungen dürfen im Gespräch Platz haben.
  • Verständnis sichern: Am Ende des Gesprächs nachfragen, welche Informationen angekommen und welche Fragen noch offen sind.

Eine Aktionswoche für die Patientensicherheit

Unter dem Motto «Nichtübertragbare Krankheiten: Mit Sicherheit gut begleiten» findet vom 14. bis 18. September 2026 die Aktionswoche Patientensicherheit statt. Alle Gesundheitsfachpersonen der Schweiz sind aufgerufen, sich aktiv an der Aktionswoche zu beteiligen. Es stehen verschiedene kostenlose Angebote der Stiftung Patientensicherheit Schweiz zur Verfügung, u. a. eine digitale Themenreihe.

  • Webinar (14. September 2026, 13.30–14.30 Uhr) Kommunikative Herausforderungen im Gesundheitswesen: Was hilft im Gespräch? Prof. Dr. med. Sabina Hunziker (Universitätsspital Basel/Universität Basel) stellt Grundlagen und praxisnahe Ansätze einer gelingenden Kommunikation im Gesundheitswesen vor. Wie geht man mit unterschiedlichen Erwartungen, Emotionen und heiklen Gesprächssituationen um, wie gestaltet man gemeinsam Entscheidungsprozesse? Webinar auf Deutsch mit automatischer Live-Übersetzung. Informationen und kostenlose Anmeldung: https://patientensicherheit.ch/webinar-kommunikation
  • Webinar (17. September 2026, 14–15 Uhr): Accompagner les patient(e)s de MNT lors de l’initiation des traitements médicamenteux: le projet myCare Start. Webinar auf Französisch, automatische Live-Übersetzung verfügbar: https://patientensicherheit.ch/fr/webinaire-mycare-start
  • Videovortrag: From Lived Experience to Safer Care: The Impact of Patient-as-Partner Approaches.
  • Podcastfolgen zu verschiedenen Themen wie Peer-Support in der Psychiatrie, Patientenlotsinnen und ‑lotsen bei der Krebsbehandlung, Krebsversorgung aus Patientenperspektive, spitaläquivalente Therapie zu Hause (Hospital@Home), Migräne.

Literatur

  1. Bundesamt für Gesundheit. Zahlen und Fakten zu nichtübertragbaren Krankheiten [Internet]. (Zugriff: 17.6.2026). Verfügbar unter https://www.bag.admin.ch/de/zahlen-und-fakten-zu-nichtuebertragbaren-krankheiten
  2. OECD. Does healthcare deliver? Results from the Patient-Reported Indicator Surveys. Paris: OECD Publishing; 2025. doi:10.1787/c8af05a5-en
  3. Universitätsspital Basel. Medizinische Kommunikation. Verfügbar unter https://www.unispital-basel.ch/medizinische-kommunikation