• Forschen lernen

Kurzanleitung zum Paper-Schreiben

Sie haben unzählige klinische Fachartikel gelesen und wissen, dass diese meist der gleichen Struktur folgen. Dieser – zuweilen langweilig anmutende – Aufbau ermöglicht Lesenden, den Kern eines Papers schnell zu erfassen. Deshalb sollten auch Sie beim Schreiben die wichtigen Punkte an der richtigen Stelle platzieren.

Nachdem Sie mögliche Journals für eine Publikation Ihrer Studie ausgewählt haben, geht es ans Schreiben des Papers.

Einleitung

Die Einleitung ist meist in drei Abschnitte eingeteilt:

  • Im ersten Absatz führen Sie das Thema Ihrer Arbeit ein und formulieren das Problem. Das Niveau der Hintergrundinformation hängt vom Spezialisierungsgrad der Leserschaft ab. Ein Artikel in einer Fachzeitschrift für Handchirurgie kann direkt mit dem Hauptproblem der Studie beginnen und muss die Anatomie der Hand nicht detailliert beschreiben.
  • Im zweiten Absatz fassen Sie zusammen, was zum Thema bereits bekannt ist. Damit zeigen Sie auch das Ausmass des Problems auf, das Ihre Studie untersucht. Untermauern Sie die Aussagen mit der passenden Literatur aus Ihrer Literaturrecherche am Anfang des Projekts.
  • Im letzten Absatz beschreiben Sie, welche Ziele Ihre Studie verfolgt. Hier weisen Sie auf die Lücken in der aktuellen Literatur hin und begründen damit den Nutzen Ihrer Studie.

Material und Methoden

Dieser Teil des Papers hat zum Ziel, den Ablauf und die Prozesse der Studie so zu beschreiben, dass diese von einer anderen Forschungsgruppe reproduziert werden könnte.

  • Machen Sie genaue Angaben zum Studiendesign, denn dieses bestimmt, welche Verzerrungsrisiken (risks of bias) berücksichtigt werden müssen und welche Reporting Guideline zur Anwendung kommt.
  • Beschreiben Sie die Ein- und Ausschlusskriterien für die Patientinnen/Patienten oder Probandinnen/Probanden. Dies ist wichtig für die Generalisierbarkeit Ihrer Studienresultate.
  • Geben Sie eine exakte Beschreibung der statistischen Analysemethoden. Damit zeigen Sie, dass Sie die korrekten Methoden für die gegebenen Daten verwendet und wie Sie das Risiko von Studienbias minimiert haben.

Resultate

Die Präsentation der Resultate gliedert sich in mindestens drei Teile:

  • Am Anfang der Resultate beschreiben Sie die Eigenschaften Ihrer Stichprobe (in der Regel ergänzt durch weitere Details in der ersten Tabelle des Artikels). Mit diesen Informationen können Lesende beurteilen, ob die Studie auf ihre eigene klinische Arbeit oder Forschung anwendbar ist.
  • Darauf folgt der eigentliche Kern der Studie: die Präsentation der Hauptresultate. Beantworten Sie die Studienfrage in Zahlen und Worten, idealerweise unterstützt durch eine einprägsame Grafik und/oder Tabelle.
  • Schliesslich folgen die zusätzlichen Resultate, z. B. Analysen in Untergruppen. Halten Sie sich dabei an die im Studienprotokoll geplanten Analysen; präsentieren Sie also nicht nur die Ihnen passenden Resultate.

Diskussion

Die Diskussion umfasst in der Regel fünf Abschnitte:

  • Im ersten Abschnitt fassen Sie nochmals kurz die wichtigsten Ergebnisse zusammen.
  • Im zweiten Absatz betten Sie Ihre Resultate in den wissenschaftlichen Kontext ein. Haben sich Ihre Hypothesen bestätigt, oder haben Sie diese widerlegt? Wie fügt sich Ihre Studie in die existierende Literatur ein?
  • Es folgt die Diskussion der Resultate im klinischen Kontext. Welchen Einfluss könnten die Resultate auf die Arbeit im klinischen Alltag haben? Dabei sollten Sie die Resultate Ihrer Studie nicht überinterpretieren, denn Änderungen von Praxisempfehlungen benötigen meist mehrere bestätigende Studien.
  • Danach folgt der wichtige Abschnitt zu den Einschränkungen und Stärken der Studie. Welche Limitationen hat Ihre Studie in Bezug auf die Methodologie und Aussagekraft? Mit welchen Massnahmen haben Sie die Schwächen kompensiert? Was ist innovativ an Ihrer Studie?
  • Schliesslich können Sie einen Ausblick wagen. Welche Fragen ergeben sich aus Ihrer Studie für die zukünftige Forschung auf dem Gebiet? Welche Projekte haben Sie geplant (ohne zu viel preiszugeben)?

Forschen lernen

Der Weg von der Planung bis zur Publikation einer Studie weist einige Stolpersteine auf. In der Kolumne «Forschen lernen» gibt der erfahrene Epidemiologe Lukas Staub in jeder Ausgabe praktische Tipps und Tricks, die Forschenden helfen, Umwege zu vermeiden und effizienter zu arbeiten.