• Grün im Alltag

«Gesunde Ernährung hilft auch der Umwelt»

Thomas Cerny ist Hausarzt in Lyss und berät oft Patientinnen und Patienten zu Ernährungsthemen. Er weiss, dass eine klimabewusste Ernährung fast immer auch für den Menschen eine gesundheitsfördernde Wirkung hat.

Eine klimabewusste Ernährung ist in der Regel auch gesund.  Bild: Adobe Stock / AgungRikhi
Eine klimabewusste Ernährung ist in der Regel auch gesund. Bild: Adobe Stock / AgungRikhi

Thomas Cerny, wie setzt du dich im Alltag für planetare Gesundheit ein?

Wir haben im Team unserer Praxis das Thema Nachhaltigkeit und Ernährung besprochen. Seit Kurzem ist im Wartebereich – neben Zeitschriften und Prospekten zu Diabetes – «Das gesunde Klima-Kochbuch» von Martina Schneider mit klimafreundlichen und gesunden Rezepten aufgelegt. Es soll unsere Patientinnen und Patienten zum «Schnöigge» animieren und aufzeigen, dass gesunde Ernährung für uns und für die Umwelt oft dasselbe ist. Im Gespräch mit Menschen, die etwas für ihre Gesundheit tun wollen, zum Beispiel bei Check-Beratungen, verweisen wir explizit auf gesunde Ernährung und vor allem auf weniger Fleischkonsum. Wir haben auch Ernährungsberaterinnen in der Praxis, mit denen wir über klimabewusste Ernährung sprechen und die diese Empfehlungen in die Gespräche einfliessen lassen.

Warum ist dir das wichtig?

Mir liegt Nachhaltigkeit am Herzen, und ich bin ein Fan von Effizienz. Es ist sehr interessant, wie gross die Überschneidungen zwischen gesundheitsförderndem Essen und nachhaltiger Ernährung sind. Wir lernen im Medizinstudium kaum etwas über diesen Aspekt der Ernährung, was ich schade finde. Was ich für mich mitgenommen habe: Mit nachhaltiger Ernährung unterstützen wir sowohl unsere Gesundheit als auch die Umwelt. Je umweltfreundlicher wir uns ernähren, desto seltener treten Bluthochdruck, Übergewicht und bestimmte Krebsformen auf – zugleich leisten wir einen Beitrag zum Erhalt der Natur als Grundlage unserer Gesundheit.

Grün im Alltag

Auch kleine Massnahmen können viel bewirken. Die Serie «Grün im Alltag» zeigt, wie Ärztinnen und Ärzte mit einfachen Umstellungen einen Beitrag für ein nachhaltigeres und ökologischeres Gesundheitswesen leisten.

Was kann dein Engagement bewirken?

Es wird schwer möglich sein, einen Effekt zu messen. Wir wollen die Patientinnen und Patienten gut beraten und auch sichtbar machen, dass wir uns als Team für gesunde Menschen und Umweltschutz einsetzen. Schon dieses Bewusstsein zu stärken, finde ich wichtig. Im besten Fall können wir zu mehr Verantwortungsbewusstsein beitragen, zu gesünderer Ernährung und weniger Folgeerkrankungen. Es ist eine kleine Geste, das ist uns allen bewusst, doch sie ist der Anfang eines Umdenkens.

Was sind die Schwierigkeiten bei diesem Projekt?

Für eine gesunde Ernährung gibt es keine universell gültigen Empfehlungen, jede Person hat individuelle Voraussetzungen, Bedürfnisse und Ziele. Auch sind die Interessen und Möglichkeiten bei allen unterschiedlich. Und offenbar soll es schon vorgekommen sein, dass Bücher aus dem Wartezimmer verschwunden sind.

Lässt du die Patientinnen und Patienten länger warten, damit sie die Rezepte studieren können?

Das kommt vor, ja (lacht). Nein, im Ernst: Ich versuche, möglichst pünktlich zu sein – aber die Menschen sind nun mal keine Maschinen, da ist nicht alles planbar. Für diesen Fall ist mit dem Kochbuch vorgesorgt.