- Aus dem vsao
Flexible Lösung in der SIWF-Titelkrise: Auszeichnung für das Unispital Genf
Die Spitalrose 2025 des vsao geht an das Universitätsspital Genf (HUG). Das Spital wird für seine ausserordentliche Flexibilität in der SIWF-Titelkrise ausgezeichnet. Als viele Ärztinnen und Ärzte monatelang auf ihren Titel warten mussten, zeigte sich das HUG offen für Lösungen, die den Schaden für das Spital sowie für die betroffenen Ärztinnen und Ärzte begrenzten.
11.08.2026
Das Jahr 2025 war geprägt von den ausserordentlichen Verzögerungen bei der Facharzttitelerteilung durch das Schweizerische Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF). Diese Verzögerungen, die zu langen Wartezeiten von bis zu zwölf Monaten führten, haben die Karrierepläne von vielen jungen Ärztinnen und Ärzten in der ganzen Schweiz stark beeinträchtigt. Auch für Spitäler war die Situation schwierig – Oberarztstellen konnten nicht besetzt werden, da die dafür nötigen Facharzttitel nicht vorhanden waren.
Für die betroffenen Ärztinnen und Ärzte bedeutete die Wartezeit einen erheblichen Verlust. In Genf zum Beispiel ist mit der Beförderung zur Oberärztin bzw. zum Oberarzt nicht nur ein höherer Lohn verbunden, sondern auch eine zusätzliche Ferienwoche und eine Reduktion der wöchentlichen Sollarbeitszeit von 50 auf 40 Stunden. Die Genfer vsao-Sektion (AMIG) hat das HUG ab Beginn der Krise auf die langen Wartefristen hingewiesen, von denen mehrere Dutzend Mitarbeitende betroffen waren.
Das Wohl der Mitarbeitenden im Vordergrund
Die HR-Direktion des HUG war schnell bereit, mit der AMIG Verhandlungen über mögliche Lösungen zu führen. Diese Verhandlungen führten innert weniger Monate zu einer guten spitalinternen Regelung. Diese beinhaltete, dass von Wartefristen betroffene Ärztinnen und Ärzte nicht erst nach der Titelerteilung das Anrecht auf die Vorteile einer Oberarztstelle hatten, sondern bereits ab dem ersten Tag der Einreichung des Titelgesuchs beim SIWF. Diese Regelung galt ab dem 1. Januar 2026.
Über 100 Ärztinnen und Ärzte haben so eine signifikante Lohnerhöhung, eine zusätzliche Ferienwoche pro Jahr und eine Senkung der Arbeitszeit um 20 Prozent (Sollarbeitszeit von 40 statt 50 Stunden pro Woche) erhalten. Und vor allem konnten sie ihre berufliche Karriere wie geplant fortsetzen. «Für uns war es schön, zu sehen, dass das HUG proaktiv nach einer Lösung suchte. Die HR-Direktion hatte das Wohl der Mitarbeitenden im Blick und hat dieses höher gewichtet als rein finanzielle Überlegungen. Dafür sind wir sehr dankbar», sagt Bastien Barcellini, Co-Präsident der AMIG.
Robert Tanner, HR-Direktor des HUG, sagt dazu: «Für uns war es wichtig, dass wir diese Mitarbeitenden, die teilweise seit Jahren mit viel Einsatz und hoch motiviert gearbeitet hatten, nicht enttäuschten. Wir sind froh, konnten wir gemeinsam mit der AMIG eine gute Lösung finden. Dass wir dafür nun mit der Spitalrose ausgezeichnet werden, macht uns stolz.»
SIWF mittlerweile wieder auf gutem Weg
Auch Severin Baerlocher, Präsident des vsao Schweiz, zeigte sich anlässlich der Preisverleihung in Genf erfreut und zufrieden: «Mittlerweile ist das SIWF wieder auf einem guten Weg, die Wartezeiten haben sich weitgehend normalisiert. Für uns war das aber ein hartes Stück Arbeit. Die Genfer Lösung war ein Lichtblick in der schwierigen Phase, die wir im letzten Jahr wegen der SIWF-Titelkrise durchmachten. Die Spitalrose ist deshalb ein absolut verdienter Lohn.»
Eine Auszeichnung für vorbildliche Spitäler
Mit der Spitalrose würdigt der vsao seit 2013 jedes Jahr eine Klinik oder ein Spital für besondere Leistungen, mit denen die Arbeits- und Weiterbildungsbedingungen von Assistenz- und/oder Oberärztinnen und ‑ärzten verbessert werden. Weitere Informationen zu den bisherigen Preisträgern gibt es hier: www.vsao.ch