- Aufgefallen
Die Perimenopause meistern: Gespräche und Erfahrungsberichte
Hormonschwankungen in der Perimenopause können vielfältige Symptome und grossen Leidensdruck auslösen, zugleich bietet diese Phase die Chance, eigene Bedürfnisse besser wahrzunehmen. Im Buch «Mittendrin» versammelt Journalistin Jeanette Kuster Erfahrungsberichte und Gespräche mit Expertinnen – und vermittelt damit nicht nur Wissen, sondern auch Hoffnung.
09.06.2026
Nach der Lektüre des Buches «Mittendrin» von Jeanette Kuster fühle ich mich vor allem eines: sensibilisiert.
Es trifft jede Frau in irgendeiner Weise
Zum einen als Frau, die in naher Zukunft in diese Lebensphase eintreten wird. Hierbei klingen unweigerlich die Worte von Prof. Dr. med. Petra Stute, Leiterin des Menopausenzentrums der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Bern, in mir nach: «Unter dem Strich kann man sagen, dass jede Frau irgendwelche Beschwerden hat – es ist höchst unwahrscheinlich, dass man von den Wechseljahren gar nichts mitkriegt.»
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Vielfältig, unspezifisch und häufig nicht richtig gedeutet
Ich fühle mich zum anderen aber auch sensibilisiert als Ärztin; bietet das Buch doch neben einer anschaulichen Darstellung der endokrinen Umstellungen einen guten Einblick in die Wahrnehmung und die Bedürfnislage von Patientinnen. «Mittendrin» widmet sich der Perimenopause bewusst als einer Lebensphase, die medizinisch lange unterschätzt wurde. Dass die Symptome der Perimenopause äusserst vielfältig und häufig unspezifisch sind, schon Jahre vor der eigentlichen Menopause auftreten können und dadurch oftmals und teilweise jahrelang weder von den Patientinnen selbst noch von den behandelnden Ärztinnen und Ärzten richtig gedeutet werden, zieht sich wie ein roter Faden durch die Erfahrungsberichte der verschiedenen Frauen.
Den Symptomen nicht tatenlos ausgeliefert
Daneben vermittelt das Buch aber die hoffnungsvolle Aussage, dass man diesen Lebensabschnitt nicht einfach «aussitzen» muss und den Symptomen nicht komplett ausgeliefert ist. Neben den subjektiven Erfahrungsberichten kommen zwecks fachlicher Einordnung verschiedene Expertinnen – zum Beispiel aus Gynäkologie, Urologie, Gynäkopsychiatrie, TCM, Ernährungswissenschaften oder Yoga – zu Wort, die einen Einblick in die verschiedenen Herangehensweisen und therapeutischen Optionen sowie Herausforderungen geben. Die unterschiedlichen Einstellungen, Vorstellungen und Bedürfnisse der Patientinnen werden thematisiert und hierdurch hervorgehoben, dass es sich bei der Perimenopause um ein variables, individuell geprägtes Syndrom mit breiter Symptomatik handelt. Und dass die Wechseljahre nebst all den Beschwerden und Leiden auch eine Chance sein können für ein Innehalten und ein Bewusstwerden, was einem wirklich wichtig ist, für mehr Selbstfürsorge und Gelassenheit – das ist mir in positiver Erinnerung geblieben.
Hilfreich für Betroffene und Ärzteschaft
Insgesamt ist «Mittendrin» kein medizinisches Fachbuch, sondern ein gut zugänglicher Ratgeber mit solider inhaltlicher Basis. Das Buch leistet einen Beitrag zur Sensibilisierung und kann die ärztliche Anamnese unterstützen. Zum einen, indem es Betroffenen hilft, ihre Symptome präziser einzuordnen, zu artikulieren und für ihre Bedürfnisse einzustehen. Zum anderen, indem es auch die Ärzteschaft ermuntert, dieses wichtige Thema anzusprechen.