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Assistenz- und Oberärztinnen und ‑ärzte arbeiten weiterhin viel zu lange

Die Ergebnisse der vsao-Mitgliederbefragung 2026 zeigen, dass die Arbeitszeiten in den Spitälern weiterhin zu hoch sind. Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte sind deshalb häufig erschöpft, was auch Folgen für die Patientensicherheit hat. Es gibt aber auch positive Signale: Die Entwicklung scheint sowohl bei den Arbeitszeiten als auch bei der Weiterbildung in die richtige Richtung zu gehen.

Die Ergebnisse der grossen vsao-Mitgliederbefragung zeigen: Trotz grossen Belastungen ist die Berufszufriedenheit bei der jungen Ärzteschaft hoch.  Bild: Adobe Stock / MH
Die Ergebnisse der grossen vsao-Mitgliederbefragung zeigen: Trotz grossen Belastungen ist die Berufszufriedenheit bei der jungen Ärzteschaft hoch.  Bild: Adobe Stock / MH

Seit 2014 befragt der vsao die Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte regelmässig zu ihren Arbeitsbedingungen. Die Befragung wird alle drei Jahre durchgeführt, ein grosser Teil der Fragen bleibt gleich, wodurch die Ergebnisse über die Jahre hinweg vergleichbar sind. Von Ende Januar bis März 2026 befragte das Umfrageinstitut Demoscope die vsao-Mitglieder in unserem Auftrag zum fünften Mal. Die erhobenen Zahlen beziehen sich immer auf das Vorjahr.

Erfreulich: Obwohl die Beteiligung weniger stark war als bei der letzten Befragung 2023, haben auch diesmal über 2400 Mitglieder teilgenommen. Die Stichprobe ist damit genügend gross und vielfältig, damit die Ergebnisse repräsentativ sind.

Ebenfalls erfreulich ist, dass es in gewissen Bereichen gegenüber 2022 Verbesserungen gibt – wenn auch in einem bescheidenen Rahmen. Bezüglich der wichtigsten Kriterien Arbeitszeit und Verletzungen des Arbeitsgesetzes ist das Resultat weniger schlecht als noch 2022. Zum Beispiel betrug die effektiv erbrachte wöchentliche Arbeitszeit für eine Vollzeitstelle durchschnittlich 54,6 Stunden, gegenüber 56,3 Stunden im Jahr 2022. Noch deutlicher ist der Unterschied, wenn nur die Assistenzärztinnen und -ärzte in die Berechnung einbezogen werden: Hier betrug der Wert 2025 54,3 Stunden, während er 2022 noch bei 58 Stunden lag. Dieser Effekt dürfte mit dem Engagement des vsao für die Einführung der 42+4-Stunden-Woche zusammenhängen bzw. mit den vermehrten Bemühungen der Spitäler, ihre Arbeitsbedingungen anzupassen und von der 50-Stunden-Woche wegzukommen.

Gleichzeitig muss betont werden, dass die Situation insgesamt leider weiterhin ungenügend ist. Eine Wochenarbeitszeit von 54 Stunden verletzt das Arbeitsgesetz. Auch bei der Überzeit bleibt das Bild miserabel. 96,5 Stunden kumulierte Überzeit im Durchschnitt sind zwar deutlich weniger als die 133 Stunden von 2022 – aber der Wert ist immer noch viel zu hoch. Zudem erlebten 58 Prozent der Befragten 2025 mindestens eine Verletzung des Arbeitsgesetzes. Das sind weniger als 2022 (68 Prozent), aber immer noch klar zu viele.

Erschöpfung und Patientengefährdung: Stabilisierung auf hohem Niveau

Diese hohen Belastungen bleiben nicht ohne Auswirkungen. Diesbezüglich lässt sich gegenüber 2022 eine Stabilisierung auf hohem Niveau feststellen. Einerseits hinsichtlich Patientengefährdung: Der Anteil der Befragten, die mehrfach eine Gefährdung von Patientinnen und Patienten aufgrund von übermüdeten Ärztinnen und Ärzten erlebten, ist von 2013 (38 Prozent) bis 2022 (59 Prozent) kontinuierlich gestiegen – 2025 beträgt der Wert 57 Prozent. Man kann also von einer leichten Verbesserung oder eher einer Stabilisierung auf hohem Niveau sprechen.

Dasselbe gilt für die Burn-out-Symptome. Auch hier ist zum Beispiel der Anteil derjenigen, die ab und zu oder häufig den Gedanken «Ich kann nicht mehr» hatten, von 2013 (33 Prozent) bis 2022 (52 Prozent) kontinuierlich gestiegen und hat sich nun, 2025, mit ebenfalls 52 Prozent stabilisiert. Ein sehr ähnliches Muster ergibt sich bei den Fragen, wie oft man sich ausgelaugt, erschöpft oder müde fühlt. Dies gibt Anlass zur Hoffnung, dass das Ausmass der Erschöpfung einen Plafond erreicht hat. Wichtig wäre, dass die Entwicklung nun in die andere Richtung geht.

Ein Mittel dafür ist sicherlich weiterhin die Reduktion der Arbeitszeit. Die Zahlen zeigen nämlich eine deutliche Korrelation zwischen der erbrachten Arbeitszeit und der Patientengefährdung respektive den Burn-out-Symptomen. So haben von denjenigen, die maximal 50 Stunden pro Woche arbeiten, «nur» 47 Prozent ab und zu oder häufig den Gedanken «Ich kann nicht mehr». Bei jenen hingegen, die zwischen 51 und 60 Stunden arbeiten, sind es 58 Prozent, und bei jenen, die mehr als 60 Stunden arbeiten, gar 69 Prozent.

Tendenziell positive Entwicklung bei der Weiterbildung

Seit 2022 befragen wir die Mitglieder auch zur strukturierten Weiterbildung. Ähnlich wie bei den Arbeitszeiten gibt es leichte Verbesserungen. Assistenzärztinnen und -ärzte sollten gemäss Weiterbildungsordnung des Schweizerischen Instituts für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) wöchentlich vier Stunden strukturierte Weiterbildung erhalten. 2022 erhielten nur 21 Prozent der Befragten vier Stunden oder mehr, 2025 immerhin 30 Prozent, während der Anteil derjenigen, die maximal zwei Stunden erhalten, in diesen drei Jahren von 56 auf 43 Prozent gesunken ist. Auch hier hatten vermutlich die Bemühungen für die 42+4-Stunden-Woche einen Effekt bzw. das gestiegene Bewusstsein der Spitäler, dass die Weiterbildung wichtig ist. Allerdings: Der Verbesserungsbedarf ist nach wie vor sehr hoch. Der Anteil derjenigen, die vier Stunden oder mehr erhalten, müsste eigentlich bei 100 Prozent liegen – oder zumindest wesentlich höher als bei den aktuellen 30 Prozent.

Auch bei den administrativen Aufgaben gibt es viel Verbesserungspotenzial. Die Fragen zu diesem Thema wurden 2026 erstmals gestellt. Wenig überraschend zeigt sich, dass der administrative Aufwand hoch ist. Insgesamt sind es 21 Prozent der Befragten, die täglich mehr als vier Stunden mit administrativen Tätigkeiten verbringen. Dieser Anteil ist bei den Assistenzärztinnen und -ärzten mit 28 Prozent noch wesentlich höher als bei den Oberärztinnen und -ärzten (12 Prozent). Natürlich ist ein Teil dieser Tätigkeiten sinnvoll und notwendig, aber trotzdem: Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) gibt an, dass mindestens 40 Prozent dieser Zeit mit relativ einfachen Massnahmen wie IT-Verbesserungen, Delegation oder Vermeidung von Doppelspurigkeiten eingespart werden könnten.

Die Berufszufriedenheit ist hoch

Trotz der hohen Belastung, der langen Arbeitszeiten und des grossen administrativen Aufwands ist die Berufszufriedenheit hoch. Fast drei Viertel der Befragten sagen, sie seien sehr oder eher zufrieden mit ihrer Berufswahl. Insbesondere die Faktoren Beschäftigungssicherheit, Arbeitsklima und Inhalt der Aufgaben erzielen hohe Zufriedenheitswerte. Eher unzufrieden sind die Ärztinnen und Ärzte nur mit den Faktoren Arbeitsbelastung, Arbeitszeiten und Vereinbarkeit. Auch diese Resultate zeigen, dass vor allem da angesetzt werden muss: Weniger lange Arbeitszeiten, mehr Teilzeitarbeit und allgemein eine verbesserte Vereinbarkeit mit dem Privatleben sind klare Bedürfnisse der Befragten.

Die regelmässige Mitgliederbefragung ist für den vsao ein wichtiges Instrument, um die Situation und Bedürfnisse der Mitglieder zu evaluieren. Wir bedanken uns herzlich bei den gut 2400 Mitgliedern, die teilgenommen haben. Die vollständigen Resultate stehen auf dieser Website zur Verfügung oder hier zum Download bereit.

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